
Währenddem sich die Denkmalpflege mit Objekten beschäftigt, die vollständig oder zumindest als Ruinen erhalten sind, widmet sich die Archäologie den Relikten menschlichen Wirkens, die sich mehrheitlich im Boden erhalten haben und zum Teil tausende von Jahre zurückreichen. Einige Fundstellen sind bislang bekannt, doch kann davon ausgegangen werden, dass sich noch an vielen anderen Orten archäologische Funde im Boden erhalten haben. Damit diese im Zug der Bautätigkeit nicht unerforscht zerstört werden, können Gebiete ausgeschieden werden, wo Siedlungsplätze vermutet werden können.
Die Archäologiefachstelle ist im Kanton Uri in die Abteilung Natur- und Heimatschutz integriert. Sie bezeichnet die bekannten archäologischen Fundstellen, scheidet Verdachtsgebiete aus und leitet bei Bedarf Grabungen in die Wege.
Einzelne Fundgegenstände sind im Staatsarchiv Uri abzugeben.
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Donnerstag, 19. August 2010
Kleinste Geräte aus Bergkristall, römische Münzen und mittelalterliche Metallgegenstände aus Hospental werfen ein neues Licht auf die Geschichte des Kantons Uri. Die Funde kamen bei archäologischen Untersuchungen im Bereich des im Bau befindlichen Golfplatzes Andermatt zum Vorschein. Zug unterstützt seit einigen Monaten und zeitlich befristet den Kanton Uri in archäologischen Fragen. Darüber berichteten heute gemeinsam die beiden Regierungsrätinnen Dr. Heidi Z'graggen (Justizdirektion des Kantons Uri) und Manuela Weichelt-Picard (Direktion des Innern des Kantons Zug). Die Bauarbeiten am Golfplatz werden durch die Ausgrabungen nicht verzögert.
Älteste Spuren des Menschen in Uri vom Golfplatz Andermatt
Im Hinblick auf den Bau des Golfplatzes in Andermatt und Hospental liess die Kantonsarchäologie Zug im Auftrag des Kantons Uri das Gebiet westlich von Andermatt und nördlich von Hospental nach möglichen archäologischen Fundstellen absuchen. Diese Erkundungsarbeit wurde mit der Firma ProSpect während den Aushubarbeiten 2010 intensiviert. Im Bereich einer steinzeitlichen Fundstelle führen die Fachleute zurzeit eine Ausgrabung durch. Es handelt sich um die ältesten bekannten Funde aus dem Kanton Uri. Bislang belegten erst Einzelfunde die urgeschichtliche Begehung des Urserntals. Eine 1955 im Gotthardmätteli gefundene steinerne Pfeilspitze (um ca. 2500 bis 4000 v. Chr.) und einige römische Münzen (300 v. Ch.) waren die spärlichen Zeugen aus der Frühgeschichte des alpinen Längstales.
Die neuen Funde stammen aus der Zeit um 6000 v. Chr., sind also rund 3000 Jahre älter als "Ötzi". Es handelt sich um kleinste Steingeräte aus bearbeitetem Bergkristall, der vermutlich im Urserntal selbst gewonnen wurde. Die Form der Bearbeitung weist darauf hin, dass die Menschen, die diese Werkzeuge vor 8000 Jahren hergestellt haben, aus dem Süden über den Gotthardpass kamen. Die Funde sind Hinweise für einen in die mittlere Steinzeit zu datierenden Lagerplatz (Spätmesolithikum). In der Nähe wurden zwei Feuerstellen freigelegt, deren Nutzung sich über längere Zeit zu erstrecken scheint.
Passverkehr im Urserntal während Römerzeit und Mittelalter
Zahlreiche Neufunde stammen aus der Römerzeit. Es handelt sich um eine Speerspitze, Bronzeglöckchen, eine Fibel (= Gewandbrosche) in Form eines Meerwesens und Münzen. Die Stücke stammen aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. Damit hat sich die Zahl der Funde aus der Römerzeit im Urserental schlagartig vervielfacht. Die wenigen römischen Münzen, die bisher gefunden wurden, sagten über Besiedlung und Passverkehr nur wenig aus. Nun könnte es sein, dass ein Teil der Funde auf den Verkehrsweg über Oberalp- und Furkapass zwischen Wallis und Graubünden zurückzuführen ist. Nach der Eingliederung des Wallis ins Römische Reich gehörte nämlich das Rhonetal zunächst zur Provinz Rätien.
Der dritte zeitliche Schwerpunkt der Funde nach der Stein- und der Römerzeit hat sich im Mittelalter ergeben. Es handelt sich um Gürtelschnallen und Münzen des 13. oder 14. Jh. Dies war die Zeit kurz nach der Erschliessung der Schöllenenschlucht um 1200. Erst seit diesem Zeitpunkt gewann der Gotthardpass für die Überquerung der Alpen an Bedeutung.
Keine eigene Fachstelle für Archäologie in Uri
Der Stellenwert der Archäologie war in Uri bisher eher gering, obwohl der Kanton reich an archäologischen Funden ist. Berühmt ist der Goldschatz von Erstfeld, der in der Ausstellung "Kunst der Kelten" in Bern und Stuttgart gezeigt worden ist. Annahmestelle für archäologische Fundgegenstände ist das Staatsarchiv Uri. Aktiv betrieb der Kanton indessen nur in Einzelfällen archäologische Abklärungen. Es gibt in Uri keine eigene Fachstelle für Archäologie und keine Karte mit Funderwartungsgebieten. Angesichts der Professionalität der Arbeit der Zuger Fachstelle entwickelte die Urner Justizdirektorin Dr. Heidi Z'graggen die Idee einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Kantonen.
"Es ist klar, dass wir unseren Nachbarkanton unterstützen, wenn wir können. Das ist keine Frage", so die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. Ein befristetes, unterstützendes Engagement der Kantonsarchäologie Zug bei den aktuellen Aufgaben im Kanton Uri war notwendig. Angesichts aktueller Fragen im Bereich Archäologie bei der Umsetzung des Tourismus-Projekts in Andermatt und Hospental würde der Aufbau einer Urner Fachstelle zu lange dauern. Deshalb wurden die Pläne der Zusammenarbeit rasch umgesetzt. Die Fachstelle in Zug verfügt über sehr grosse Erfahrungen und einen ausgezeichneten Ruf. Der Kanton Zug wächst seit Jahrzehnten und weist eine hohe Bautätigkeit auf. Deshalb arbeitet das Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug permanent und unter Hochdruck daran, wertvolle Baudenkmäler vor tief greifenden Umgestaltungen oder Abbruch zu schützen und bedrohte Fundstellen zu retten oder wenigstens vor ihrer Zerstörung zu erforschen.
Zusammenarbeit zwischen Uri und Zug
Im Rahmen einer Dienstleistungsvereinbarung berät die Kantonsarchäologie Zug die Abteilung Natur- und Heimatschutz des Kantons Uri. Die Vereinbarung ist zeitlich befristet, und der Kanton Zug stellt dem Kanton Uri jährlich für die erbrachten Leistungen Rechnung. Im Zentrum der bisherigen Zusammenarbeit stand die fachliche Beratung im Umgang mit potentiellen Fundstellen und bei der Erstellung eines Inventars von Fundstellen. Weiter wurde die Planung von archäologischen Erkundungs- und Grabungsarbeiten begleitet.
Eine im Jahr 1955 bei einem Wegbau im Mätteli in Hospental gefundene Silexpfeilspitze (2500 bis 4000 v. Chr.) galt als der bisher älteste je gefundene Kulturgegenstand in Uri. Die Pfeilspitze liegt als Leihgabe des Kantons Uri im Historischen Museum in Altdorf. Eine täuschend echte Kopie ist im Talmuseum Ursern ausgestellt.
Mit der Sesshaftigkeit hinterliess der Mensch durch seine Siedlungen nachhaltigere Spuren. Aus der Zeit um 1500 v. Chr. stammen auch die ersten Keramikfunde aus den bronze- und eisenzeitlichen Siedlungen auf dem Flüeli ob Amsteg. Diese Siedlungen wurden im Jahre 1988 im Rahmen von archäologischen Forschungsarbeiten der Universität Zürich entdeckt.
Bekanntester Fund in Uri sind die vier goldenen Hals- und drei goldenen Armringe, welche 1962 bei Verbauungsarbeiten in den Erstfelder Ribitäler gefunden wurden. Die Goldringe sind von internationaler Bedeutung und im Landesmuseum in Zürich ausgestellt. Eine Imitation befindet sich im Historischen Museum in Altdorf. Die Ringe werden in die Jahre 380 - 300 v. Chr. datiert.
Kontakt:
Eduard Müller
Denkmalpfleger
Tel. 041 875 28 82
Fax 041 872 24 25
Mail edi.mueller@ur.ch
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