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Die wechselvolle Geschichte des Altdorfer Türmli

Funktionen

Das Türmli zählt in der Mauersubstanz seines Schafts zu den ältesten Bauwerken Altdorfs. Es steht an zentraler Stelle des Urner Hauptorts, in unmittelbarer Nähe zum Rathaus. Seine heutige Gestalt erhielt das Türmli in mehreren Bauetappen.

Mittelalter
Der erste Turm wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut und besass zwei Stockwerke. Das erste Obergeschoss diente als Wohnraum. Im Parterre wurden wohl kostbare Waren und Güter gelagert. Die geringen Mauerstärken lassen darauf schliessen, dass es sich bei dem Turm nicht um einen Wehrturm, sondern um einen repräsentativen Sitz eines kleinen Feudalherrn handelte. Im ausgehenden 13. Jahrhundert erhielt der Turm ein zweites Obergeschoss. Seine Gesamthöhe betrug nun gut 8 Meter. Möglicherweise besass der Turm auch schon ein drittes Obergeschoss, das jedoch bei einem Erdbeben 1365 einstürzte.


Ausbau im 16. Jahrhundert
In der nächsten Bauetappe zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das vierte Obergeschoss errichtet. Vermutlich wurde jetzt der Turm von einem privaten Wohnturm in einen repräsentativen öffentlichen Wachtturm mit einer Uhr umgewandelt. Die Höhe des Turms lag bei rund 13,5 Metern.
Im späten 16. Jahrhundert dürfte das Türmli erstmals Wandmalereien erhalten haben. Dadurch wurde die landeshoheitliche Funktion des Turms als Orts- und Rathausturm betont.

Fresken von Karl Leonz Püntener

Beim Dorfbrand von 1693 wurde das Türmli weitgehend zerstört, danach aber rasch wieder hergestellt. Die Bauleitung lag beim Urner Maler Karl Leonz Püntener. Er restaurierte den Turm und setzte ihm, deutlich verjüngt, ein fünftes und ein sechstes Oberschoss auf. Der Turm war jetzt knapp 20 Meter hoch. Karl Leonz Püntener stattete die Hauptschauseiten des Türmli auch mit Bildern aus. Die Seite gegen die heutige Schmiedgasse zeigte die Tellsgeschichte und den Bundesschwur. Diese Malereien sind noch heute zu bewundern. Anders die Bemalung in Richtung Rathausplatz, die im 19. Jahrhundert zerstört wurden. Sie widmete sich der Schlacht am Morgarten sowie Gesslers Tod und dem Tellsprung. Beim grossen Altdorfer Dorfbrand von 1799 wurden die Bedachung und das Holzwerk im Turninnern zerstört. Erst 1808 beschloss der Landrat, das Türmli so bald wie möglich wieder herstellen zu lassen. 1814 waren die Renovierungsarbeiten abgeschlossen.

Wirren um die Kunst am Bau
1888 setzte die Regierung eine 15-köpfige Kommission unter der Leitung von Landammann und Ständerat Gustav Muheim ein: Sie erhielt den Auftrag, Vorschläge zur Errichtung eines monumentalen Telldenkmals auszuarbeiten. Wo das Denkmal stehen sollte, war anfänglich noch offen. Allmählich kristallisierte sich der Rathausplatz als idealer Standort heraus. Und bald war klar, dass das Denkmal nicht frei zu stehen kommen sollte, sondern an der nordwestlichen Wand des Türmli. Der Bund zahlte nicht nur die Hälfte der Kosten für das 1895 von Richard Kissling geschaffene Telldenkmal. Er war auch bereit, sich mit 50 Prozent an den Kosten der Restaurierung desTürmli zu beteiligen. Nach langem Zaudern entschied der Urner Regierungsrat zusammen mit der eidgenössischen Kunstkommission, das Fresko von Karl Leonz Püntener auf der Strassenseite zu renovieren. Die Bemalung hinter dem zu errichtenden Telldenkmal sollte hingegen durch ein neues Gemälde ersetzt werden, das Bürglen – die Heimat Tells – zeigen und damit die Bronzefigur ergänzen sollte. Den Auftrag dazu erhielt der Basler Künstler Hans Sandreuter. Der von ihm eingereichte Bildentwurf vermochte die regierungsrätliche Denkmalkommission nicht vollends zu überzeugen. Da Sandreuter jedoch nicht zu Änderungen bereit war, erhielt schliesslich der ebenfalls aus Basel stammende Christian Schmidt den Auftrag zur Bildausführung.

Mehrmalige Restaurierungen
1968/69 wurde das Türmli umfassend restauriert. Der Verputz wurde grösstenteils abgeschlagen und erneuert und die Sandsteinpartien ersetzt. Glücklicherweise konnte auch der ursprüngliche Entwurf des Denkmalhintergrunds von Hans Sandreuter wieder aufgetrieben und vom Kanton Uri erworben werden. Man beschloss, das Gemälde von Christian Schmid durch dasjenige von Hans Sandreuter zu ersetzen. Somit präsentiert sich heute das Türmli mit dem Telldenkmal so, wie sich das die Urner Regierung und die eidgenössische Kunstkommission 1895 vorgestellt hatten.
1993 fand erneut eine umfassende Aussenrenovation des Türmli statt. Gleichzeitig erfolgten bauarchäologische Untersuchungen unter der Leitung von Hans Jörg Lehner. 2011 wurde das Türmli im Innern unter der Leitung von dipl. arch. ETH/SIA Margrit Baumann sorgfältig renoviert, mit einer neuen Holztreppe erschlossen und mit einer diskreten modernen Beleuchtung versehen. Die Renovation der Fassade ist in nächster Zukunft vorgesehen.