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Umfangreiche medienwissenschaftliche Untersuchung abgeschlossen

5. Juli 2019

Die medienwissenschaftliche Untersuchung im Fall Ignaz Walker liegt vor. Der Regierungsrat hat den Bericht des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Vinzenz Wyss zur Kenntnis genommen. Die Inhalte der Untersuchung wurden heute Freitag, 5. Juli 2019, im Landratssaal präsentiert.

Der Fall I. W. wurde im Dezember 2018 durch das Bundesgericht rechtsgültig abgeschlossen. Der Regierungsrat nahm den rechtskräftigen Abschluss dieses über acht Jahre dauernden Verfahrens zum Anlass, die erwähnte Studie in Auftrag zu geben. In der quantitativen Inhaltsanalyse wurden aus den Jahren von 2010 bis 2019 insgesamt 534 Beiträge von 19 Medien untersucht. Zudem wurden Interviews mit 15 Schlüsselpersonen im Fall Walker geführt. Die unabhängigen Gutachter arbeiteten fachlich selbständig und ohne Instruktion.

In der Untersuchung sind die seitens des Regierungsrats gestellten Fragen wissenschaftlich fundiert beantwortet. Zudem haben die Autoren die umfangreichen Medienpublikationen systematisch aufgearbeitet und analysiert. Unter anderem hält die Studie fest, dass im vorliegenden Fall anwaltschaftlicher Journalismus betrieben wurde, was jedoch durchaus legitim gewesen sei. Tatsächlich sei die Irritationen auslösende Deutung der Rundschau ein wichtiger Impuls für andere Medienbeiträge gewesen. Die Studie zeigt auch exemplarisch auf, wie Gegenbewegungen zur Berichterstattung der Rundschau und des Tages-Anzeigers entstanden, insbesondere bei der NZZ und der Weltwoche, im vereinzelten Fall auch im Urner Wochenblatt. Ein Fragezeichen macht die Studie unter anderem hinter allzu aggressiven Recherchemethoden.

Landammann Roger Nager: «Es ist eine wertvolle Gesamtübersicht über die Medienarbeit von Strafverfolgung, Medienschaffenden und weiteren am Prozess beteiligten Akteuren entstanden. Über alles gesehen attestieren die Gutachter den Medien eine diversifizierte Berichterstattung. Allerdings wird aufgezeigt, dass die Sichtweisen in einigen Medien teilweise diametral differieren. Zudem halten die Studienautoren fest, dass sowohl die Strafjustiz als auch der Journalismus eigenen Logiken und Rollenverständnissen folgen. Die Arbeit leuchtet den medienwissenschaftlichen Aspekt des Falls umfassend aus und leistet einen wertvollen Beitrag zur Urner Justizgeschichte.»

Zu Handen des Regierungsrats drängen sich laut den Autoren keine Empfehlungen auf. Die Autoren bestätigen, dass die zurückhaltende Position des Regierungsrats angebracht war. So wurde im vorliegenden Fall die Gewaltentrennung seitens des Regierungsrats stets gewahrt bis ein rechtsgültiges Urteil vorlag. Die Zurückhaltung des Regierungsrats trotz Druckversuchen von aussen erwies sich damit als richtig. Der Regierungsrat sieht deshalb seine Arbeit in den vergangenen neun Jahren bestätigt.

Die Autoren empfehlen der Strafverfolgungsbehörde, angesichts der zunehmenden Medialisierung eine aktivere Rolle einzunehmen. Nach Möglichkeit solle sie den Spielraum ausschöpfen, den die Rechtsgrundsätze und die Strafprozessordnung vorgeben. Insbesondere bei lang dauernden und öffentlich stark beachteten Fällen erachten die Autoren das Einbringen der Sichtweise der Strafverfolgungsbehörde in den öffentlichen Diskurs als legitim.

Der Regierungsrat hat die Ergebnisse der Untersuchung zur Kenntnis genommen und empfiehlt die Untersuchung zur Lektüre. Diese ist im Internet unter www.ur.ch/studien publiziert.

Rückfragen von Medienschaffenden: Landammann Roger Nager, Telefon +41 41 875 2600, E-Mail Roger.Nager@ur.ch