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Archäologische Funde beim Oberalpstock und an der Fellilücke

3. März 2016
Verschiedene archäologische Fundstellen lieferten in den vergangenen Monaten interessante Ergebnisse zur Besiedlung, Begehung und Nutzung des Kantons Uri.

Als wichtige und zugleich höchstgelegene Fundstelle des Kantons ist die Kluft in Nähe der Stremlücke beim Oberalpstock zu betrachten. Auf 2'800 m ü. M. liegt eine Quarzitkluft auf dem Gemeindegebeit von Silenen, welche vom Gletscher im Jahre 2013 erstmals freigegeben worden ist. Sie wurde vom Urner Strahler Heinz Infanger aus Amsteg entdeckt. Als er die Kluft weiter freilegen wollte, stiess er auf Reh- und Hirschgeweihreste sowie Holz. Die 2015 erfolgte Radiokarbondatierung der Hirschgeweihstange und des Holzes ergab ein Alter von 8'000 bzw. 7'000 Jahren. Damit lässt sich eine Begehung in spätmesolithischer Zeit nachweisen, die aufgrund der Funde in Zusammenhang mit frühem Bergkristallabbau zu setzen ist. Aufgrund der unmittelbar neben der Fundstelle liegenden Grenze zum Kanton Graubünden wurde mit dem archäologischen Dienst von Graubünden zusammengearbeitet. Die Bedeutung der Fundstelle ist einerseits für die Erforschung der Erschliessung und Nutzung der alpinen Regionen nach der letzten Eiszeit von sehr grossem Wert. Anderseits lassen sich auch Aussagen zur Abbautechnik gewinnen, könnte doch mit Feuerholz die Methode des Thermo¬schocks zur Lockerung des Gesteins und mit Hilfe der Geweihstangen ein einfacher Abbau der Bergkristalle umgesetzt worden sein.

Im Sommer 2015 wurde eine Prospektionskampagne aufgrund des Skiinfrastrukturausbaus im Gebiet Andermatt-Nätschen-Oberalp ausgeführt. Dabei wurden 69 Fundstellen lokalisiert, die sowohl von der Alpnutzung vergangener Jahrhunderte als auch vom militärischen Ausbau der Gotthardregion der letzten 150 Jahre zeugen. Unter den archäologischen Funden sind vor allem die römischen Münzen und der Fingerring von der Fellilücke hervorzuheben. Sie bestätigen die Begehung der Lücke in römischer Zeit, welche schon seit einem Münzeinzelfund postuliert worden war. Dadurch gelangte man vom Urserntal bzw. Oberalp ins Reusstal und damit in die nördlichen Regionen unter Umgehung der felsigen Schöllenen.
Name
Hirschhorn an der Stremlücke (Foto: Archäologischer Dienst GR) Download 0 Hirschhorn an der Stremlücke (Foto: Archäologischer Dienst GR)
Römische Münze an der Fellilücke (Foto: Roman Agola) Download 1 Römische Münze an der Fellilücke (Foto: Roman Agola)
Ring an der Fellilücke (Foto: Roman Agola) Download 2 Ring an der Fellilücke (Foto: Roman Agola)