Hauptinhalt
Worte des Landammanns zum 1. August 2026
Liebe Urnerinnen und Urner
Wir Urnerinnen und Urner feiern unseren Nationalfeiertag nicht als Massenveranstaltung, sondern prunklos, unkompliziert und bescheiden. Traditionellerweise nutzen viele von uns den 1. August als arbeitsfreien Tag: zum Grillieren, zum Anstossen, für Begegnungen mit Angehörigen und Freunden. Grosse Inszenierungen, wie sie andernorts selbstverständlich erscheinen, entsprechen uns weniger.
Auch bei uns werden Reden gehalten. Festreden greifen gerne auf glorifizierte Geschichten zurück und ziehen die Vergangenheit heran, als lägen dort einfache Rezepte für die Probleme der Gegenwart bereit. Doch trotz aller Verklärung der Schweiz bleibt der Grundtenor dieser Reden meist bodenständig und zuversichtlich.
Ich persönlich glaube, dass gerade diese Grundhaltung uns Schweizerinnen und Schweizer – und uns Urnerinnen und Urner – auszeichnet. Wir sind verlässlich und unkompliziert. Wir haben eine starke Verbindung zu unserer Heimat, zu unseren Traditionen und zu unseren Werten. Und wir bewahren uns im Zweifelsfall eine gesunde Skepsis gegenüber allem Abgehobenen oder Elitären.
Diese Wesensart ist enorm wichtig. Doch sie allein reicht nicht aus. Unser Land braucht eine Gemeinschaft, die zusammenhält und nicht das Trennende betont. Die Schweiz lebt von Menschen, die sich für andere einsetzen und Verantwortung übernehmen – oft ganz selbstverständlich, meist im Hintergrund und ohne grosses Aufsehen. Gerade deshalb danke ich heute den vielen Freiwilligen hier im Kanton Uri. Sie bilden das Fundament unserer Gesellschaft.
Demokratie funktioniert nur, weil unzählige Menschen bereit sind, freiwillig Zeit und Energie für andere einzusetzen. Sie engagieren sich in Behörden, Kommissionen, Schulräten, Kirchgemeinden, Genossenschaften oder Vereinen. Sie stellen sich Wahlen, übernehmen Ämter und treffen Entscheidungen – oft neben Beruf und Familie. Dieses Milizsystem ist ein Erfolgsmodell der Schweiz. Es sorgt dafür, dass politische Entscheidungen nahe bei den Menschen bleiben.
Doch freiwilliges Engagement endet nicht bei der Politik. In Uri erleben wir das Tag für Tag: bei den Frauen und Männern unserer Feuerwehren, die bereitstehen, wenn Hilfe gebraucht wird; bei den Samariterinnen und Samaritern sowie den Rettungsorganisationen, die uns unter schwierigen Bedingungen beistehen; bei den Trainerinnen und Trainern in den Sportvereinen, den Musikantinnen und Musikanten in den Musikgesellschaften, den Mitgliedern unserer Chöre, Theatergruppen und Kulturorganisationen.
Da sind Menschen, die sich in Kirchen und Pfarreien engagieren, Jugendgruppen begleiten, Seniorinnen und Senioren besuchen oder Nachbarschaftshilfe leisten. Da sind jene, die Menschen mit Behinderungen begleiten, Familien unterstützen oder sich für sozial Benachteiligte einsetzen. Sie alle investieren ihre Freizeit. Sie schenken anderen etwas, das unbezahlbar ist: Zeit, Zuwendung und Gemeinschaft.
Freiwilliges Engagement erinnert uns daran, dass nicht alles berechnet werden kann. Solidarität kennt keinen Stundenansatz und Mitmenschlichkeit lässt sich nicht in Franken messen. Wer hingegen nur zuschaut, konsumiert, fordert und erwartet, überlässt die Verantwortung anderen.
Eine starke Gemeinschaft entsteht nicht von allein. Sie entsteht dort, wo Menschen mitmachen, Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen. Darum danke ich allen stillen Helferinnen und Helfern für ihren unschätzbaren Beitrag.
Die Schweiz wird auch künftig dann erfolgreich sein, wenn wir bewahren, was sich bewährt hat: Verantwortung, Solidarität und Gemeinsinn. Es gilt deshalb auch, dem Spaltenden entgegenzustehen. Dies auch aus der Gewissheit, dass unsere Stärke auf Vielfalt gründet.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen frohen Nationalfeiertag, schöne Begegnungen und viele Momente, die uns daran erinnern, wie wertvoll unsere Gemeinschaft ist.
Daniel Furrer, Landammann des Kantons Uri