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Nachhaltigkeit aus dem Labor der kreativen Tüftler

10. Juli 2026

Seit zehn Jahren bringt der «hackerspace uri» Menschen zusammen, die tüfteln, reparieren und voneinander lernen. Mit dem angepassten neuen Namen «hackerspace uri – Die Tüftlerwerkstatt» zeigt der Verein, dass er weit mehr ist als nur Veranstalter des bekannten Repair Cafés. Er sucht neue Mitglieder, insbesondere junge Technikbegeisterte.

Willkommen in der Ideenwelt: LED-Leuchten erhellen die Werkstatt im Neuland. Auf den Tischen liegen Schraubenzieher, Zangen und Kabel. Daneben stehen Spannungsmesser, Oszilloskope, Lötstationen, ein Lasercutter und mehrere 3D-Drucker. Die Werkstatt wirkt halb Bastelkeller, halb Labor. Eines fällt sofort auf: Hier ist fast nichts Dekoration. Fast alles wird benutzt, repariert oder weiterentwickelt.

Zum zehnjährigen Bestehen öffnete der «hackerspace uri» seine Türen. Unter den Gästen waren Regierungsrat Christian Arnold sowie Lorenz Jaun, Vorsteher des Amts für Umwelt. Viele Urnerinnen und Urner kennen den Verein bisher vor allem wegen der Repair Cafés, an dem Leute ihre kaputten Geräte flicken lassen können. Dafür wurde «hackerspace uri» auch der Urner Umweltpreis 2025 verliehen. «Der gemeinnützige Verein setzt sich damit in Zusammenarbeit mit den Gemeinden beständig für die Kreislaufwirtschaft und die Nachhaltigkeit ein» erinnert Regierungsrat Christian Arnold. « Die Tüftlerwerkstatt zeigte, dass dahinter weit mehr steckt.

Gemeinsam tüfteln

Die Werkstatt trägt künftig den Namen «Die Tüftlerwerkstatt» und beschreibt treffend, worum es geht: Menschen bringen ihre eigenen Ideen mit und entwickeln sie gemeinsam weiter. Es wird programmiert, gelötet, konstruiert und ausprobiert. Wer nicht weiterkommt, findet Unterstützung. Wissen wird geteilt – unabhängig davon, ob jemand seit zwanzig Jahren Elektronik entwickelt oder zum ersten Mal einen Lötkolben in der Hand hält. Die Mitglieder sind zwischen zwölf und über siebzig Jahre alt. Manche programmieren Software, andere arbeiten mit Holz, Elektronik oder 3D-Druck. Ein autonom fahrender Roboter mit Sensoren und Motoren steht neben einem Solarofen, der ausschliesslich mit Sonnenenergie kocht. Saphira Mathis restauriert einen alten Flipperkasten. Der zwölfjährige Kaio Daniel Müller sammelt ausrangierte Handys und Computer und programmiert Software – oft mit Unterstützung künstlicher Intelligenz. Ein anderes Mitglied baut aus Freude am Experimentieren sogar eine Goldwaschanlage (in einigen Alpenbächen gibt es tatsächlich kleinste Goldpartikel). Sacha Bissig entwickelt mit Lasercutter und 3D-Drucker praktische Alltagsgegenstände wie einen filigranen Lampenschirm.

Nachhaltigkeit beginnt hier auf der Werkbank

Der Umweltgedanke zieht sich durch die ganze Werkstatt: Oft genügt ein neues Bauteil, eine saubere Lötstelle oder etwas Geduld, um ein defektes Gerät zu reparieren. Das spart Rohstoffe und verhindert Emissionen, die bereits bei der Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport und Entsorgung neuer Konsumgüter entstehen. «Und wer sich mit dem Flicken eines Reissverschlusses oder dem Beheben eines Wackelkontakts auseinandersetzt, entwickelt eine Wertschätzung für Gegenstände des täglichen Gebrauchs die für uns heute zu oft einfach, billig und scheinbar unendlich zur Verfügung stehen», erklärt Amtsvorsteher Lorenz Jaun. Denn die Urnerinnen und Urner verursachen mit diesen sogenannten indirekten, konsumbedingten Emissionen rund 8,5 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Person und Jahr – das entspricht mehr als der Hälfte ihrer durchschnittlichen Treibhausgasemissionen. «Die Reparatur und Wiederverwendung von Konsumgütern spart Ressourcen, vermeidet Abfall, vermindert Treibhausgasemissionen und zeigt, dass Nachhaltigkeit auch im Kleinen oft erstaunlich einfach sein kann», sagt Amtsvorsteher Lorenz Jaun. Besonders sichtbar wird dieser Gedanke an den Repair Cafés, die der Verein viermal jährlich in verschiedenen Gemeinden durchführt. Dort reparieren die Mitglieder und freiwillige Helfende defekte Alltagsgegenstände gemeinsam mit deren Besitzerinnen und Besitzern. Diese nehmen bestenfalls nicht nur ein geflicktes Gerät oder Kleidungsstück mit nach Hause, sondern helfen direkt mit, die Wertschätzung für die Umwelt und die endlichen Ressourcen wieder vermehrt in das Bewusstsein zu rücken.

Platz für neue Ideen

Die Tüftlerwerkstatt hat im Neuland ein Zuhause gefunden. Doch der Platz wird langsam knapp. Ein zusätzlicher Raum würde es ermöglichen, Projekte länger aufgebaut zu lassen und das Angebot auszubauen. Für den gemeinnützigen Verein mit seinen bescheidenen finanziellen Mitteln ist das nicht selbstverständlich.

Gesucht werden deshalb neue Mitglieder – besonders junge Menschen mit Freude an Technik und Neugier auf eigene Projekte. Darüber hinaus sind Menschen willkommen, die eine leitende Funktion übernehmen oder sogar im Vorstand mitwirken möchten. Auch Gönner und Sponsoren sowie Helfer für die Repair Cafés sind herzlich willkommen. «Wir wollen Junge fördern und die Begeisterung weitergeben», sagt Vereinspräsident Walter Planzer. Wer gerne ausprobiert, Fragen stellt oder eine eigene Idee verwirklichen möchte, ist genauso willkommen wie Techniker, Handwerker, Künstler oder Programmierer. Die Tüftlerwerkstatt lebt vom Mitmachen aller.

Weitere Informationen, Daten zu den Repair Cafés (September in Andermatt, Oktober in Erstfeld) sowie die Möglichkeit zum Mitmachen finden sich unter https://hackerspace-uri.ch.

Rückfragen von Medienschaffenden:
Amtsvorsteher Lorenz Jaun, Lorenz.Jaun@ur.ch, +41 41 875 2421

Bild 1: Walter Planzer vom «hackerspace uri» zeigt Regierungsrat Christian Arnold und Lorenz Jaun, Leiter AfU, den Solarofen, in dem nur mit Sonnenkraft eine Minestrone kocht.
Bild 2: Saphira Mathis restauriert in der Tüftlerwerkstatt einen alten Flipperkasten.