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Boden, Altlasten, Deponien

Boden ist Lebensgrundlage und Lebensraum. Wir sorgen für einen sorgsamen Umgang mit dieser nicht erneuerbaren natürlichen Ressource. Für nicht weiter verwertbare Abfälle stellen wir langfristig und ohne Umweltgefährdung geeignete Deponieräume zur Verfügung. Basierend auf dem vorliegenden Vorgehenskonzept setzen wir uns mit den Beteiligten für ein vorausschauendes und planbares Vorgehen bei den belasteten Standorten im Kanton Uri ein.

Altlasten

Zur Bereinigung des Katasters der belasteten Standorte setzen wir uns mit den Beteiligten für ein vorausschauendes und planbares Vorgehen ein. Mit den anstehenden Untersuchungen kann eine grosse Mehrh…

Zur Bereinigung des Katasters der belasteten Standorte setzen wir uns mit den Beteiligten für ein vorausschauendes und planbares Vorgehen ein. Mit den anstehenden Untersuchungen kann eine grosse Mehrheit der belasteten Standorte als nicht sanierungsbedürftig und somit als Altlast ausgeschlossen werden. Damit werden die Planungssicherheit für die Beteiligten erhöht, die Beiträge des Bunds sichergestellt sowie schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und das Risiko von Ausfallkosten minimiert.

 

Altlastenvorgehen und Untersuchungen
Gemäss Altlastenrecht haben die Kantone den Kataster der belasteten Standorte (KbS) zu erstellen (Geodaten). Dieser Kataster ist im Kanton Uri weitgehend abgeschlossen und enthält grundsätzlich Ablagerungsstandorte, Betriebsstandorte und Schiessanlagen sowie Unfallstandort. Bis 2025 sind nun die untersuchungsbedürftigen Standorte des KbS zu untersuchen. Mit diesen Untersuchungen wird festgestellt, ob eine Überwachung oder sogar eine Sanierung des Standorts erforderlich ist. Damit kann ein Grossteil der belasteten Standorte vom Sanierungsbedarf- und/oder Überwachungsbedarf ausgeschlossen werden und nur ein kleiner Teil der belasteten Standorte ist nach einer Detailuntersuchung bis 2040 einer kostenintensiven Sanierung zu unterziehen.


Mit dem Vorgehenskonzept belastete Standorte im Kanton Uri werden die sogenannten Voruntersuchung (historische und technische Untersuchungen) gemäss den gesetzlichen Vorgaben priorisiert und die Realleistungspflichtigen zur Voruntersuchung aufgefordert. Für die Durchführung der Voruntersuchung und allenfalls weiterführende Altlastenuntersuchungen haben die beizuziehenden Altlastenfachpersonen die formellen Vorgaben der untenstehenden Berichtsstandards und Checklisten (siehe Dokumente) zu befolgen. Damit sind einheitlich strukturierte, nachvollziehbare und vergleichbare Grundlagen sichergestellt.

Schiessanlagen
Im Kugelfangbereich von Schiessanlagen bestehen insbesonders hohe Bleibelastungen. Die meisten Kugelfänge im Landwirtschaftsgebiet, im Bereich des Grundwassers oder von Oberflächengewässern sind deshalb sanierungsbedürftig. Aus diesem Grund kann bei Schiessanlagen direkt ein Sanierungsprojekt erarbeitet werden. Voraussetzung für die Auszahlung von Bundesgeldern bei Altlastenmassnahmen ist, dass der Schiessbetrieb bis 31. Dezember 2020 eingestellt oder mit künstlichen Kugelfängen (KKF) betrieben wird. Beim Einbau von KKF wird eine gleichzeitige Sanierung der belasteten Bereichen empfohlen, da dies in der Regel kosteneffizienter ist als eine, nachträgliche Sanierung.


Veräusserungen und Bauen auf belasteten Standorten
Für die Veräusserung oder Teilung von im KbS eingetragenen Grundstücken ist eine Bewilligung mit untenstehendem Formular (siehe Dokumente) erforderlich. Belastete Standorte dürfen durch die Erstellung oder Änderung von Bauten oder Anlagen nur verändert werden, wenn sie streng definierten Anforderungen erfüllen (Merkblatt "Bauen auf belasteten Standorten").

Bodenschutz

Boden schonen Der Boden ist ein knappes und schützenswertes Gut: Er ist die Grundlage für unser Leben. Gerade bei Bauvorhaben ist es wichtig, dass der Schutz des Bodens frühzeitig einbezogen wird. Da…

Boden schonen
Der Boden ist ein knappes und schützenswertes Gut: Er ist die Grundlage für unser Leben. Gerade bei Bauvorhaben ist es wichtig, dass der Schutz des Bodens frühzeitig einbezogen wird. Das Amt für Umweltschutz unterstützt Sie bei der schnellen und unkomplizierten Umsetzung der Massnahmen zum Bodenschutz - damit wir den Boden auch in Zukunft uneingeschränkt nutzen können.

Das Merkblatt «Umgang mit Boden» (ZUDK, 2007) enthält konkrete Anleitungen und Hinweise zum korrekten Umgang mit Boden.

Das Merkblatt «Bodenschutz lohnt sich» (BAFU / Cercle Sol, 2017, www.bodenschutz-lohnt-sich.ch) gibt wichtige Hinweise für die Planung und die Ausschreibung von Bodenarbeiten bei Bauvorhaben.

Wichtige Grundsätze zum Bodenschutz
Arbeiten nur bei ausreichend abgetrockneten Böden ausführen

  • Arbeiten nur bei ausreichend abgetrockneten Böden ausführen
  • Maschinen mit möglichst geringem Gesamtgewicht verwenden
  • Böden mit temporären Kiespisten, Baggermatratzen oder Platten schützen
  • Boden immer begrünen
  • Bei grossen Vorhaben (in der Regel ab 5'000 m2) bodenkundliche Baubegleitung beiziehen
  • Wiederverwendung von abgetragenem Boden nach Möglichkeit vor Ort
  • Schadstoffbelastete Böden separat behandeln
  • Neu aufgebaute Böden brauchen Zeit und eine schonende Folgebewirtschaftung


Grossbaustellen
Bei Bauvorhaben, bei denen grosse Flächen mit fruchtbarem Boden verschoben, zwischengelagert und später wieder rekultiviert werden, wird die Umsetzung von Bodenschutzmassnahmen durch eine bodenkundliche Fachperson vor Ort und in Zusammenarbeit mit unserer Amtsstelle sichergestellt. Eine Liste der zugelassenen Bodenkundlichen Baubegleiter (BBB) kann auf der Website der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz (BGS) eingesehen werden.


Bodenschonender Maschineneinsatz
Das Nomogramm gibt an, bei welcher Bodenfeuchte (Saugspannung) Baumaschinen und landwirtschaftliche Fahrzeuge eingesetzt werden können. Bevor Boden befahren oder bearbeitet wird, kann seine Feuchtigkeit und Tragfähigkeit durch Messung der Saugspannung mit Hilfe eines Tensiometers beurteilt werden. Der Kanton Uri betreibt seit 2008 in Erstfeld und seit 2017 in Andermatt je eine Bodenmessstation. Mit diesen vollautomatischen Stationen können unter www.bodenfeuchte-ostschweiz.ch hochaufgelöst und kontinuierlich die relevanten Messparameter abgerufen werden. Damit können die am Bau beteiligten Akteure beurteilen, ob bei den aktuell vorliegenden Verhältnissen das Befahren und Umlagern des Bodens zulässig ist.


Schadstoffe im Boden
Im Kanton Uri konzentrieren sich natürliche und anthropogene Schadstoffquellen auf engem Raum. Der Verdacht auf hohe Bodenbelastungen mit Schadstoffen ist daher mehr als begründet und lässt sich durch zahlreiche Untersuchungen belegen. Gebiete, die Belastungen aufweisen können, sind:

  • stark befahrene Strassen und Eisenbahnlinien
  • Altbaugebiete
  • Industrie- und Gewerbegebiete
  • Stahlkonstruktionen (Hochspannungsmasten, Stahlbrücken etc.), die mit Korrosionsmitteln behandelt wurden
  • Schiessanlagen
  • Gärtnereien und Schrebergärten (Allmeinigärten)

Chemische Bodenbelastungen werden dann problematisch, wenn sie die festgelegten Grenzwerte der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo; SR 814.12) überschreiten. Werden die Richtwerte überschritten, kann von einer schwachen Belastung gesprochen werden. Liegt die Belastung jedoch über den Prüf- oder sogar über den Sanierungswerten, so besteht eine konkrete Gefährdung für Menschen, Tiere und Pflanzen. Hier ist die Nutzung einzuschränken oder ganz zu unterlassen und der Boden muss bei einem allfälligen Aushub gemäss der BUWAL Wegleitung Verwertung von ausgehobenem Boden speziell verwertet, behandelt oder entsorgt werden.

Vollzugsinstrument FvBB für die Baubewilligungsbehörde
Unkontrollierte Verschiebungen von schadstoffbelastetem Boden führen zu neuen Bodenbelastungen und sind gemäss Umweltgesetzgebung (siehe Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo; SR 814.12) und Wegleitung Verwertung von ausgehobenem Boden (BUWAL, 2002)) nicht zulässig. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens muss daher rechtzeitig geprüft werden, ob Schadstoffbelastungen im Boden vorliegen könnten. Dazu hat das Amt für Umweltschutz ein GIS-gestütztes Vollzugsinstrument «Flächen mit vermuteten Bodenbelastungen» (FvBB) entwickelt. Es enthält jene Verdachtsflächen, bei denen mit grosser Wahrscheinlichkeit (>80 %) eine relevante Schadstoffbelastung des Bodens zu erwarten ist. Die Anwendung der FvBB ist in einem Handbuch für die Gemeinden beschrieben (pdf-Handbuch).

Die FvBB sind den kommunalen Baubehörden und den betroffenen Ingenieurbüros über das Geoportal der Lisag AG zugänglich.

Link: https://www.geo.ur.ch (Suchbegriff «FvBB»). Die Logindaten zu den FvBB sind bei der Lisag AG anzufordern.

Publikationen
Bodenschutz und Bauen

 

 


Bodenschutz und Landwirtschaft

  • Abschätzung des Verdichtungsrisikos der landwirtschaftlich genutzten Böden in der Urner Reussebene, AfU Uri 2015
  • Erosion im Alpinen Raum

 
Weitere Publikationen

 

 

Bodenschutz in der Landwirtschaft
Eine unsachgemässe Bodennutzung kann zu Bodenverdichtungen und Bodenerosion führen und Schadstoffbelastungen verursachen. Im unteren Urner Reusstal besteht aufgrund der leichten bis mittelschweren Böden nur ein geringes Verdichtungsrisiko. Der Einsatz von schweren Maschinen auf nassen Böden kann jedoch zu Bodenverdichtungen führen. Informationen zur Beurteilung des Bodenverdichtungsrisikos finden Sie in der Publikation «Abschätzung des Verdichtungsrisikos der landwirtschaftlich genutzten Böden in der Urner Reussebene».


Bodenerosion
Im Gebirgskanton Uri ist Bodenerosion hauptsächlich in den Hanggebieten von Bedeutung. So sind beispielsweise im Urserntal steile Weideflächen von der Bodenerosion betroffen. Grund dafür ist unter anderem der Wandel in der Landnutzung:

 

  • die Beweidung wurde durch den Einsatz von mehr Tieren intensiviert
  • die Weidezeiträume wurden verlängert, der Boden hat weniger Zeit zur Regenerierung

Unter Beteiligung zahlreicher Kantone und des Bundes hat das Amt für Umweltschutz Uri ein GIS-Tool zur Identifizierung von bewirtschaftungsbedingten Erosionsschäden im alpinen Raum erarbeitet. Weitere Informationen dazu finden Sie im Bericht «Erosion im Alpinen Raum».

Deponien

Geeigneten Deponieraum bedarfsgestützt sichern, Deponien umweltkonform betreiben Abfälle, die sich stofflich und energetisch nicht verwerten lassen, werden in Deponien abgelagert. Die Verordnung üb…

Geeigneten Deponieraum bedarfsgestützt sichern, Deponien umweltkonform betreiben

Abfälle, die sich stofflich und energetisch nicht verwerten lassen, werden in Deponien abgelagert. Die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) verpflichtet die Kantone, den Bedarf an Deponievolumen zu ermitteln und die Standorte von Deponien zu bezeichnen. Das Amt für Umweltschutz überprüft die kantonale Deponieplanung alle fünf Jahre und passt sie bei Bedarf an. Es bewilligt die Errichtung und den Betrieb von Deponien und stellt mit regelmässigen Kontrollen sicher, dass die Abfallanlagen die Umweltvorschriften einhalten.

Deponietypen nach VVEA
Die verschiedenen Deponietypen sind in der VVEA vorgegeben.

Deponie Typ A (alte Bezeichnung: Aushubdeponie): Deponie für unverschmutztes Aushubmaterial gemäss Anhang 3 Ziffer 1 bzw. Anhang 5 Ziffer 1 VVEA. Im Kanton Uri stehen zurzeit fünf Deponien Typ A in Betrieb.

Deponie Typ B (alte Bezeichnung: Inertstoffdeponie): Deponie für Material, das nur leicht verschmutzt ist und zu mindestens 95 % aus Steinen oder gesteinsähnlichen Bestanteilen besteht. Die Qualitätsanforderungen sind in Anhang 5 Ziffer 2 VVEA festgelegt. Im Kanton Uri stehen zurzeit fünf Deponien Typ B in Betrieb. Auf diesen Anlagen ist grundsätzlich auch der Einbau von Deponiematerial Typ A zugelassen.

Deponie Typ C (alte Bezeichnung: Reststoffdeponie): Deponie für Abfälle aus industriellen Prozessen mit einem erhöhtem Schadstoffgehalt gemäss Anhang 5 Ziffer 3 VVEA. Zurzeit ist im Kanton Uri keine Deponie Typ C in Betrieb.

Deponie Typ D (alte Bezeichnung: Schlackendeponie): Deponien für Schlacken und Aschen aus der kontrollierten Verbrennung, nicht brennbares, mineralisches Kugelfangmaterial. Die Qualitätsanforderungen sind in Anhang 5 Ziffer 4 VVEA festgelegt. Im Kanton Uri steht zurzeit mit der Deponie Eielen in Attinghausen eine Deponie Typ D für die Ablagerung von Schlacke aus Kehrichtverbrennungsanlagen in Betrieb.

Deponie Typ E (alte Bezeichnung: Reaktordeponie): Deponien für schadstoffbelastete Abfälle, die sich chemisch und/oder biologisch verändern können, nicht brennbare Bauabfälle. Zurzeit ist im Kanton Uri keine Deponie Typ E in Betrieb.

Deponiekapazitäten für Abfälle Typ A und B
Das noch verfügbare Restvolumen auf den in Betrieb befindlichen Deponien Typ A und B liegt per Ende 2016 bei rund 1'070'000 m3, für die Hauptregion (Kanton Uri ohne Seitentäler) bei rund 680‘000 m3. Damit ist der Deponieraumbedarf kurzfristig gesichert, mittelfristig sind weitere Deponien oder Erweiterungen einzuplanen. Im Februar 2017 hat das Amt für Umweltschutz die Errichtungsbewilligung für das Erweiterungsprojekt Deponie Butzen erteilt, das ein zusätzliches Deponievolumen von rund 550'000 m3 vorsieht.

 

 

Deponie Gemeinde Deponietyp  Nutzungsvolumen    [m3] Restvolumen per Ende 2016 [m3] im 2016 abgelagert [t]
Birchi Isenthal    A 4'000 1'500 2'800
Steinbruch Eielen Attinghausen    A 350'000 245'500 9'500
Güetli Gurtnellen    A 250'000 120'000 103'800
Lauiweid Seelisberg    A k. A. 20'000 4'900
Standel Wassen    A 300'000 300'000 0
Butzen Gurtnellen    B 500'000 107'600 60'000
Hältikehr Unterschächen    B 110'000 32'400 4'800
Hergersboden Spiringen    B 17'000 3'100 100
Niederwiler Wassen    B 152'000 123'000 8'000
Zumdorf Hospental    B 500'000 360'000 17'700
Summe     ca. 2'180'000 ca. 1'310'000 ca. 220'000


 
Handlungsbedarf

  • Die Lage bezüglich der Deponiekapazitäten ist entspannt. Die Deponieplanung ist trotzdem weiterzuführen und deren Entwicklung zu beobachten, um mittelfristig Engpässen vorzubeugen.
  • Die Verwertung von Recyclingbaustoffen soll weiter gefördert werden


Deponieraumbedarf und Deponiekapazitäten für Abfälle Typ D / KVA-Rückstände
Der Hauptanteil der auf der Deponie Eielen in Attinghausen eingebauten Schlacke stammt aus der KVA Renergia in Perlen und der KVA Linth in Niederurnen. Aufgrund des genügend grossen noch zur Verfügung stehenden Ablagerungsvolumens für rund 760‘000 m3 Schlacke und Rekultivierungsmaterial besteht zurzeit kein Handlungsbedarf.